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Ev. Philippus-Kirchengemeinde Dortmund

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Kirchenmusik und Musik in der Kirche

Die Kirchenmusik ist auf dem breiten Feld der Musik eine Wissenschaft für sich. Sie ist in ihrer Entwicklung so facettenreich, dass es eines langen Studiums bedarf, um sich wirklich mit ihr auszukennen.

Man muss kein Experte der schönen Künste sein, kann aber ihr Liebhaber sein. Das mag auch für die Kirchenmusik gelten. Und wenn der Liebhaber der Kirchenmusik sein Urteil abgibt mit den Worten „ach, wie tief mich das berührt hat“ oder „das hat mich weniger angesprochen“, dann hat Musik ihr Ziel erreicht. Sie hat den Menschen erreicht und bewegt.

In den Gemeinden haben wir es nicht immer unbedingt mit Kirchenmusik, sondern häufig mit Musik in der Kirche zu tun, obwohl es zulässig ist, jede Musikausübung im kirchlichen Bereich als Kirchenmusik zu bezeichnen.  

Die Kirchenmusik unterliegt einer 2000-jährigen Tradition und somit auch dem Wachsen und Werden der ständig sich ändernden Ansprüche. Es ist anzunehmen, dass die ersten Christen von Region zu Region ihre unterschiedlichen Gesangstraditionen pflegten. Leider findet man im Neuen Testament zu diesem Thema kaum aufschlussreiche Angaben. Eine der wenigen ist im Epheserbrief  5, 19 zu lesen. Da heißt es: „Sprecht einander in Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern zu; singt und jubelt dem Herrn in euren Herzen.“

So waren in den ersten Jahrhunderten die gottesdienstlichen Zusammenkünfte hauptsächlich vom Gesang bestimmt. Doch im Laufe der Jahrhunderte wurden immer wieder Reformen eingeleitet. Lokale Gesangsstile wurden abgelöst durch kirchliche Vorgaben. Im 6. Jahrhundert z. B. wurde der einstimmige Gregorianische Choral für die römische Kirche verbindlich, um sich dann im 9. Jahrhundert  über viele Zwischenschritte in die Mehrstimmigkeit hinein zu entwickeln.

Im 16. Jahrhundert betrat Martin Luther die Bühne der Welt. Wir haben ihm nicht nur die Bibelübersetzung zu verdanken, sondern auch eine Menge neuer Kirchenlieder. Musik in der Kirche war für ihn stets dargebrachte Verkündigung.

Das ist bei moderner Musik in der Kirche nicht immer so offensichtlich. Es flammen immer wieder heftige Auseinandersetzungen darüber auf, wo und wie profane Musik sich von sakraler Musik unterscheidet. Es gab Zeiten, da war von der Entartung in der Musik die Rede. Man streitet zwischendurch immer wieder darüber, welche Instrumente geeignet sind und welche nicht. Der Jazz z. B. wurde eine Zeitlang von der Liturgie ausgeschlossen, von Rock- und Popmusik ganz zu schweigen. Solche Auseinandersetzungen sind ein Dauerbrenner, denn die Frage in der Jetztzeit ist, ob Rap oder Techno tragbar sind. Erfahrungsgemäß wird sich diese Frage mit der Zeit selbst beantworten. Jeder Musikstil, und somit auch die Kirchenmusik, ist Ausdruck ihrer Zeit und zeugt von der Lebendigkeit des Menschen in Bezug auf die Welt und den Glauben.  Sie wird  sich jeweils in ihrem Anspruch behaupten.

So haben nun auch moderne Kirchenlieder Einzug gehalten in den Gottesdienst. Viele bieten den altbekannten Liedern erfolgreich die Stirn. Selbst der Gospelsong ist salonfähig geworden. Die alten Kirchenväter wären vom Glauben abgefallen, hätten sie einen Blick in das kirchenmusikalische Geschehen unserer Tage werfen können.   

Vom Wesen der Musik

Wer aber meint, dass es im Wesen der Musik läge, nur Freude zu bereiten, der irrt, denn sie hat auch noch einen anderen Anspruch und einen anderen Auftrag. So hat Kirche in ihrer 2000-jährigen Geschichte Vokal- und Instrumentalmusik geschaffen, die von hohem Wert ist. Musik ist somit ein wichtiger Kulturträger.

Junge Menschen, die den Worten der Verkündigung bisher fremd gegenüber standen, können über Musik einen Zugang zum Glauben finden. Beispielhaft sind da die eingehenden Lieder der Taizé-Bewegung, die geradezu mit Begeisterung von den Jugendlichen angenommen werden.

Doch Musik führt nicht nur Jugendliche zusammen. Musik schafft Räume der Begegnung für alle gemeinsam Musizierenden, so auch für die Zuhörer. Mit vielen Menschen zusammen aus voller Kehle „Lobe den Herren“ zu singen, „O, du fröhliche“ zu Weihnachten, „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“, wenn einem elend zumute ist, an einem schönen Sommertag „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ zu jubilieren, macht Gemeinschaft auf unsichtbare Weise lebendig. Schulter an Schulter mit dem Mitmenschen zu spüren, dass er ähnlich empfindet, das baut auf, das macht Mut, das stimmt milde.

Wer oder was ist da am Werk, wenn beim „Jauchzet, frohlocket“ von Bach oder beim „Halleluja“ von Händel die Gefühlswelt des Menschen mit so außergewöhnlicher Gewalt angerührt wird? Weht da spürbar der Heilige Geist? Zumindest werden „Saiten“ im Menschen angeschlagen, die aus dem Suchenden einen kurzen Augenblick lang den Überzeugten machen können.  Wenn Musik unter die Haut geht, spürt man, was sie uns sagen will. Liefert man sich ihr hingebungsvoll aus, macht sie etwas mit einem. Musik braucht keine Worte. Musik spricht ihre eigene Sprache. Es ist die Sprache der Gefühle. Es ist unsere Seele, die auf Musik reagiert. So gesehen, ist es sehr wohl ratsam, darauf zu achten, von welcher Art Musik man sich anrühren lassen will.

Musik kann uns zum Lachen und zum Weinen bringen, zum Tanzen auffordern und zur Nachdenklichkeit hinführen. Musik beeinflusst sogar unseren Herzschlag. Sie ist der Schlüssel zu den heiligen Räumen unseres Ursprungs.

Hannelore Dommer

Orgel Brünninghausen

Foto: H. Gelück

Orgel Kirchhörde

Foto: H. Gelück

Orgel Löttringhausen

Foto: H. Gelück

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